Nadia Venica – Die junge Weinproduzentin von VIE D’ALT

Wie in “Wiedersehen in Prepotto” beschrieben, hatte ich bei dem Event  “Schioppettino di Prepotto – UNICO PER NATURA 2014 / UNIQUE BY NATURE” im Oktober Nadia Venica kennengelernt. Im November haben Elena Zotti und ich ihr einen Besuch abgestattet. Erster Eindruck: Ihr Weingut ist unglaublich schön gelegen.

Ein Weingut mit Geschichte: 1915 wurde es gegründet, von Antonio Venica. “Vie d’Alt” heißt es es seit kurzem. Vorher trug es den Namen von Nadias Vater, Bruno Venica. Bruno ist noch immer sehr präsent, aber langsam nehmen seine drei Töchter NADIA, MARA (mit ihrem Mann Christian) und GIULIA die Zügel in die Hand. Vie dalt Lage
In den letzten Jahren hat die Familie Venica viel investiert, das Ergebnis könnt ihr auf den nachfolgenden Fotos bewundern. Nadia führt uns zuerst zu dem riesigen überdachten Bereich vor dem Verkostungsraum. Am Geländer stehend hat man eine prachtvolle Aussicht. Und Nadia beginnt zu erzählen……

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Und wenn Nadia erzählt, ist sie nicht mehr leicht zu stoppen. Ich lasse sie und Elena kurz allein und lasse meiner Fantasie freien Lauf: Ein lauer Sommerabend, Kerzen, ein Streichquintett, viele Besucher mit Weingläsern in der Hand – Platzprobleme gäbe es nicht.
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Elena ist heute mit Stöckelschuhen unterwegs, Nadia ist in ihrer Arbeitskluft. Kennengelernt hatte ich sie “aufgebrezelt”. Einiger ihrer Berufskollegen der ASSOCIAZIONE PRODUTTORI SCHIOPPETTINO DI PREPOTTO hätten sie kaum erkannt……3 Frauen unter sich: Natürlich diskutieren wir über die Situation der Frau in der Arbeitswelt von heute. Immer noch viele Einschränkungen und Klischeevorstellungen auf der einen Seite, auf der anderen Seite viel Freiheit.

Die Welt des Weins. Immer noch gibt es wenige Weinproduzentinnen. Um so mehr freut es Elena und mich, heute einer in Fleisch und Blut gegenüberzustehen.

Nadia ist erst Anfang dreißig, hat aber schon 2003 – nach ihrer Ausbildung als Weintechnikerin – angefangen, im Familienbetrieb zu arbeiten. Das heißt, dass sie schon über 10 Jahre Berufserfahrung hat.

Wir gehen in ihren Weinkeller. Früher gab’s hier nur Edelstahltanks und der Wein wurde zu 100 % “offen” (also nicht in Flaschen abgefüllt) verkauft. Heute verkauft sie 20 % in Flaschen. Und verwendet auch Barrique. Die “Holzfaßecke” ist ihr Reich. Ihr Vater betritt es nicht, sagt sie schmunzelnd.
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IMG_9052Wieder oben angelangt, zeigt uns Nadia, wo sie ihre gebrauchten Barrique dekorativ aufreiht.

IMG_9027Und wo “Vie d’Alt” (=der hochgelegene Weg) liegt -der älteste Weinberg der Familie, der nun dem ganzen Weingut seinen Namen gegeben hat. Auf dem Foto seht ihr ihn ganz oben IMG_9037– schon vom Wald umgeben. Übrigens verfügt das Weingut von Nadias Familie über stolze 16 ha Weinberge.

In den letzten Tagen hatte es recht heftig geregnet – und der Ton von Nadias Erzählung wird um einiges ernster. Das Klima ändert sich, das kann man ja wohl kaum mehr verleugnen. Der Sommer 2014 war für die Weinbauern im Friaul kein guter – zu viel Regen und damit Gefahr von Pilzbefall und Rebkrankheiten. Auch wenn man gerne ohne Spritzen auskäme, hätte das im letzten Sommer viel zuviel Risiko bedeutet. Die Konsequenz von einem schwierigen Sommer auf den “Schioppettino di Prepotto” ist wahrscheinlich, dass es einen 2014-er Jahrgang bei Nadia nicht geben wird. Eine späte Lese von perfekt reifen Schioppettino-Trauben war wegen der Feuchtigkeit nicht möglich. Schade.

Aber nun wird es Zeit, den gut gelungenen Schioppettino 2011 und Nadias Sauvignon zu verkosten. Wir nehmen im Verkostungsraum Platz, der eher ein Saal ist. Viel Platz, viel Licht.
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Insgesamt bieten die Venicas 15 verschiedene Weinarten in Flaschen an. Auch Süßwein (Verduzzo Friulano DOP), einen Schaumwein (Spumante di Ribolla Gialla Extra Dry) und einen Rosè (Rosato “ROSE D’ALT”, von Merlot-Trauben). Eine Vielfältigkeit, die einen manchmal schon verrückt machen kann. Denn jede Art hat seine eigene Vinifikation, seine eigenen Reifezeiten etc.

IMG_9018Nadias Schioppettino war mir schon in Prepotto bei der Verkostung mit Ian D’agata aufgefallen, auch ihr Sauvignon überzeugt uns. Auffällig ist, wie stark er sich innerhalb einiger Minuten beim Wärmerwerden verändern kann. Aus dem frischen Birnenduft entwickelt sich eine exotische Frucht. Er scheint körperreicher zu werden, “dickleibiger”, schwerer. In diesem Moment bin ich wieder mal froh, meine Sommelierausbildung gemacht zu haben. Diese Nuancen wahrzunehmen, macht einfach Spaß! Und es gibt noch so viel zu lernen……

Tja, und dann kommt noch Nadias Schwester Mara mit einem Teller voller Brote mit San Daniele-Schinken (vom Schinkenproduzenten ihres Vertrauens) und der friulanische Glücksmoment ist perfekt!

IMG_9054Mara und Nadia – zwei der drei Venica-Töchter – ich denke, von euch wird man noch einiges hören!

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